»Eine depressive Krise ist fast immer auch eine Beziehungskrise «

Warum? Weil die betroffene Person kaum noch etwas Schönes empfinden kann und Nähe sie oft überfordert. Manchmal zieht sich ein Mensch extrem zurück, manchmal bricht sogar der Kontakt ab oder es droht eine Trennung.

Du wirst verstehen, was in einer Beziehung während einer depressiven Krise passiert, was hinter diesem schmerzhaften Verhalten steckt und wie du damit umgehen kannst. In unserer Begleitung von Angehörigen erleben wir immer wieder: Dieses Verhalten ist eines der schwersten, das Angehörige verkraften müssen – weil du helfen willst, aber nicht darfst. Du suchst die Schuld ständig bei dir und findest doch keine Lösung.

Aber bitte verliere nicht die Hoffnung: Sobald die Depression besser wird, kann sich auch die Beziehung wieder erholen.

Video: Beziehung, wenn ein Partner depressiv ist

10 Minuten
Video: Beziehung, wenn ein Partner depressiv ist
  • Wie sich die Beziehung während der Krise verändert
  • Was ihr erwarten könnt – und was nicht
  • Worauf ihr euch konzentrieren solltet – und worauf besser nicht
  • Warum es trotzdem möglich ist, die Verbindung zu schützen

Das Video ist ungeschönt und direkt – aber genau das schärft den Blick für das Wesentliche

Thomas
Thomas
Betroffener
Xiaoxi
Xiaoxi
Angehörige

Real Talk mit Xiaoxi

Ein Satz, den ich von Angehörigen häufig höre, lautet: »Er/sie hat die Beziehung längst beendet.« Oder: »Ich will helfen, aber ich komme gar nicht an ihn ran.«

Die Krux bei psychischen Erkrankungen ist: Die Einschränkungen sind oft unsichtbar.

Manche sind komplett leistungsunfähig. Den banalen Alltag schaffen sie nicht mehr. Und manche sind – für eine Zeit – schlicht beziehungsunfähig. Jede Nähe, jede Verbindung fühlt sich an wie Bedrängung.

Natürlich gibt es Situationen, in denen Motivation und frühere Beziehungserfahrungen eine Rolle spielen. Aber meine Erfahrung ist: Angehörige überschätzen oft das »Nicht-Wollen« und unterschätzen das »Nicht-Können«.

Diese Unterscheidung verändert den Umgang miteinander. Und sie verhindert viele unnötige Konflikte – und innere Kämpfe.

Versuch, wenn es geht, nicht jeden Satz und jede Handlung zu deuten oder zu analysieren. Das Verhalten einer betroffenen Person ist nicht logisch. Könnte sie logisch denken, wäre sie längst wieder gesund.

Übung: N.A.H.

15 Minuten Angehörige*r
Übung: N.A.H.

Kennst du das Gefühl? Du siehst die Person, die du liebst, an und fragst dich plötzlich: »Wo bist du geblieben?« Wenn eine Depression den Alltag dominiert, nimmt die Krankheit unheimlich viel Raum ein und die eigentliche Verbindung zwischen euch wird immer leiser.

Diese Übung ist genau für diese schweren Momente gedacht. Sie hilft dir, den Menschen, den du liebst, wieder zu sehen – trotz der Depression, und nicht ohne sie. Es geht hierbei nicht darum, krampfhaft den Zustand von früher wiederherzustellen.

Es geht darum, behutsam wahrzunehmen, was im Hier und Jetzt noch da ist. Denn eure Verbindung ist nicht verschwunden – sie ist nur leiser geworden.

Übung: N.A.H.
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Übung: Verbindungs Toolkit

10 Minuten Angehörige*r
Übung: Verbindungs Toolkit

Diese Übung ist für dich, wenn du den anderen vermisst, aber spürst: Jedes »Lass uns bitte reden« macht es gerade nur noch schlimmer. Wenn du da sein willst, ohne zu erdrücken.

Die Werkzeuge in der Übung sind Mikro-Impulse – kleine Dinge zum Ausprobieren. Kein Muss, kein Test, kein Ziel. Probier aus, was sich leicht anfühlt, und lass, was dir gerade zu viel ist.

Übung: Verbindungs Toolkit
Übung als PDF zum Drucken

Video: Was steckt hinter Trennungswünschen und Kontaktabbruch

14 Minuten
Video: Was steckt hinter Trennungswünschen und Kontaktabbruch
  • Welche Gründe stecken hinter Trennungswünschen oder Rückzügen?
  • Warum ist es oft nicht das, was es auf den ersten Blick scheint?
  • Was kannst du in dieser emotionalen Ausnahmesituation tun und was besser nicht?
Thomas
Thomas
Betroffener
Xiaoxi
Xiaoxi
Angehörige

Impulse: Erste Hilfe bei Kontaktabbruch

10 Minuten Angehörige*r
Impulse: Erste Hilfe bei Kontaktabbruch

Wenn Depression, eine plötzliche Trennung, Rückzug oder Kontaktabbruch aufeinandertreffen, ist es völlig normal, sich im Schockzustand zu befinden.

Diese 4 Impulse sind für dich 🤗.

Impulse: Erste Hilfe bei Kontaktabbruch
Impulse als PDF zum Drucken

Video: Ausgezogen! Was jetzt?

Video: Ausgezogen! Was jetzt?
  • Wie kannst du eine depressive Kurzschlussreaktion von einer endgültigen Trennung unterscheiden?
  • Wie stabilisierst du dein eigenes Leben mithilfe der drei A (Anerkennen, Aktivieren, Abgrenzen)?
  • Wie nimmst du all deine Gefühle ohne Schuld an und fokussierst dich schrittweise wieder auf dich selbst?
Thomas
Thomas
Betroffener
Xiaoxi
Xiaoxi
Angehörige

Real Talk mit M. (Angehörige)

Mein Mann ist ausgezogen. Der einzige Kontakt, den wir in dieser Zeit (über ein Jahr lang) hatten, betraf Dinge rund um Haus, Hund und Organisatorisches. Bei diesen Angelegenheiten reagierte er relativ schnell; manchmal kam er vorbei, um sich darum zu kümmern. Aber er ging immer sofort wieder, sobald alles erledigt war.

Er sprach von Scheidung. Ich hatte keine Ahnung, wie ich reagieren sollte. Ich analysierte jede Nachricht, jeden einzelnen Satz, den er sprach oder mir schickte. Ich wollte jeden noch so kleinen Hinweis erhaschen, der mir die Frage beantwortete: „Ist das wirklich vorbei?“ Diese Gedanken und das ständige Analysieren haben mich emotional völlig ausgelaugt.

Ich wusste, dass ich das alleine nicht mehr länger durchstehe, und suchte mir schließlich psychologische Unterstützung. Das hat mir unglaublich geholfen, meine kräftezehrenden Gedanken zu ordnen. Schritt für Schritt fing ich an, mich aus diesem großen, dunklen Loch herauszukämpfen.

Das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist: Triff in einer solchen Krise keine wichtigen Entscheidungen und suche dir Hilfe für dich selbst.

Video: Maike und eine schwere Entscheidung nach 10 Jahren Depression

30 Minuten
Video: Maike und eine schwere Entscheidung nach 10 Jahren Depression

Eine chronische Depression über mehr als zehn Jahre hinweg zu begleiten, ist unglaublich herausfordernd – das wissen wir alle. 

Maike erzählt ihre sehr persönliche und ehrliche Antwort auf genau diese Situation. Es ist eine Geschichte, die selten erzählt wird, weil sie eng mit Scham, Schuld und Unverständnis verknüpft ist.

Hinweis: Maikes Geschichte ist ein ganz persönliches Erlebnis – bei dieser Entscheidung gibt es kein Richtig oder Falsch. Von außen gibt es auch keine sinnvolle Empfehlung. Du weißt es selbst am besten. Aber wie auch immer du dich entscheidest: Das Licht wird irgendwo in der Zukunft auf dich warten.

Maike
Maike
Angehörige
Xiaoxi
Xiaoxi
Angehörige

Check-In #4

Das habt ihr wirklich gut gemacht! Trotz der Depression konntet ihr die Verbindung zueinander ein Stück weit wiederbeleben und viele schmerzhafte Fragen klären. Auch wenn sich durch den aktuellen Kontaktabbruch oder die vorübergehende Trennung jetzt nicht sofort alles verändert: Du darfst dich dadurch ein Stück sicherer und erleichterter fühlen

Verstehen, wie richtiges Helfen geht
Kommunikation
Alltag erleichtern
Verbindung erhalten

Abschluss der Stufe 5

Markiere alle Elemente die du abgeschlossen hast.

  • Du hast gelernt, die Krankheit von der Person zu trennen, und nimmst Angriffe nicht mehr so zu Herzen.

  • Du hast gelernt, RAUM für euch beide zu schaffen.

  • Du weißt jetzt genau, wofür du Hoffnung behalten sollst, und hast Hebel gefunden, mit denen du richtig beeinflussen kannst, ohne sofort in Frustration zu verfallen!

  • Mithilfe der Checkliste »Richtig helfen« habt ihr darüber gesprochen, wie dein Lieblingsmensch eigentlich unterstützt werden möchte.

  • Mit dem SANFT-Modell hast du gelernt, was du stattdessen machen kannst, ohne Druck auszuüben.

  • Mithilfe der Überengagement-Lupe und des LOS-Kreislaufs hast du herausgefunden, wo du zu viel machst und wo du Aufgaben zurückgeben darfst.

  • Du weißt jetzt, dass ihr trotz Depression weiter in Verbindung bleiben könnt.

  • (Falls zutreffend) Du hast Impulse gefunden, wie du mit einem Kontaktabbruch oder einer vorübergehenden Trennung umgehen kannst.

  • Du hast Maikes Geschichte gehört und gesehen, dass es auch nach zehn Jahren Begleitung immer noch Lösungen gibt, mit denen beide Seiten leben können.

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